Glungezer "Hausberg"


Der  Haller Hausberg wieder einmal gezeigt, warum man ihn nicht nur wegen der Aussicht aufsucht. Per Zufall bin ich einem echten Glungezer-Hütte-Stammgast begegnet: Karl Stern aus Natters, inzwischen 88 Jahre alt – ein echtes Urgestein. Schon beim ersten Blick hatte ich das Gefühl: Den kenne ich irgendwoher. Und wie so oft am Berg hatte die Intuition recht. Wir kamen rasch ins Gespräch, und bald lag sie zwischen uns, diese besondere Stimmung, die entsteht, wenn Erinnerungen wie alte Pfade wieder sichtbar werden. Bei älteren Menschen ist das offenbar sehr präsent.

Karl erzählte von seiner aktiven Zeit am Glungezer, von früheren Hüttenwirten, von alten Zustiegsvarianten – besonders die Route vom Patscherkofel zur Hütte war ein großes Thema. Ein Weg, gäbe es ihn noch, der heute im Erzählen wieder genauso lebendig war wie damals. Seine Schilderungen waren buchreif: die Knödelwurst im Rucksack, auf dem Weg zur Hütte klein geschnitten und oben am warmen Ofen in die Erbsensuppe gemischt. Man konnte es förmlich riechen, was er da erzählte … die Augen glänzten.

Natürlich fielen auch Namen, die man nicht vergisst: Karl Anker (ich habe ihn leider nicht mehr kennengelernt) und Lothar Gratl. Wie klein die Bergwelt manchmal ist – Lothars Tochter Carmen war nach dem Dreh von „Das dunkle Tal“ auf der Hütte. Erinnerungen und Geschichten verbinden Zeiten, Menschen und Orte.
Karl hatte viel zu erzählen. Als Vereinsmitglied der „Gipfelstürmer“ war er auf zahllosen Bergfahrten unterwegs, nicht nur hier, sondern auch in Südamerika. Seine Geschichten hatten diese Leidenschaft, die nur Menschen mit vielen echten Bergerlebnissen haben – ohne Übertreibung, dafür mit großem Respekt vor dem Berg.
Er erzählte auch vom Flugzeugunglück 1964: Er war damals auf der Hütte, als ein Rumpler zu hören war. Agnes Ferchl war zu jener Zeit Hüttenwirtin. Aber wem erzähle ich das – bist du doch der bestinformierte Chronist der Glungezer Hütte.
Es sind aber genau diese Begegnungen, die zeigen, was eine Hütte wirklich ausmacht: nicht nur der Steinbau, das Blechdach und ein Ofen, sondern ein Ort, an dem Geschichten weitergetragen werden, von einer Generation zur nächsten. Wenn man zusammensitzt und über die alten Zeiten spricht, ist es, als würde der Berg kurz zuhören.
Für mich war diese Zeit auf der Hütte eine ganz besondere Phase meines Lebens. Und solche Gespräche lassen sie immer wieder aufleben – still und ganz selbstverständlich.

Gottfried Wieser, ehem. Hüttenwirt